Foto: IFS
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29. March 2026
Premiere, Fall 2027
Birgitta Kammann Danielsen lebt seit 18 Jahren in Grönland, seit 15 Jahren in Kullorsuaq, einem Dorf im Nordwesten Grönlands mit rund 500 Einwohner:innen. Wir haben sie und ihren Partner Laasi in Bern nach dem Besuch der Grönland-Ausstellung getroffen und mit ihr über die turbulenten letzten Monate gesprochen – geprägt von Trump'schen Annexionsdrohungen und Parlamentswahlen – sowie ihre Rolle als Deutsche in Grönland.
Birgitta Kammann Danielsen, was hat Sie nach Grönland gezogen?
Ich
habe immer schon von Grönland geträumt und etliches gelesen. Es gab eine Anziehungskraft,
die ich nicht rationell erklären kann. Als ich 1995 in die USA flog, wäre ich am liebsten
aus dem Fenster gesprungen, als wir über Grönland waren. 2000 reiste ich erstmals als
Touristin nach Grönland und als ich in Kangerlussuaq landete, musste ich weinen, so gerührt
war ich, endlich in diesem Land zu sein ─ es fühlte sich ein bisschen wie ‹nach Hause
kommen› an.
The Case, wir sind Grönländer:innen und keine Däninnen oder Amerikaner:innen
Die Parlamentswahlen im März fanden kurz nach den Annexionsbekundungen statt. Hat sich
die grönländische Haltung in den Wahlkämpfen nochmals verstärkt gezeigt?
Ja, das war ein grosses Wahlkampfthema. Alle waren sich einig: Wir sind
Grönländer:innen und keine Däninnen oder Amerikaner:innen. Innerhalb dessen gab es aber
Differenzierungen, beispielsweise bei der Frage, wie schnell man unabhängig sein möchte. Die
Partei, die eine schnelle Abkopplung von Dänemark forcieren wollte, erhielt viele Stimmen,
aber nicht die absolute Mehrheit. Die moderateren Demokraten, die ebenfalls
Selbstständigkeit wollen, aber für eine gute Zusammenarbeit mit Dänemark stehen, gewannen
schlussendlich und bildeten eine sehr breite Koalition mit vier der fünf Parlamentsparteien.
Das Signal war klar: In dieser Situation müssen wir zusammenarbeiten, statt uns zu
bekriegen.
Sind die Unabhängigkeitsbestrebungen spürbar stärker geworden?
Ja, das merkt man in den Gesprächen. Diese ganze Trump-Geschichte hat auch
dazu geführt, dass Dänemark deutlich mehr über die eigene Rolle nachdenkt und sich
respektvoller gegenüber den Grönländer:innen verhält. Aussagen wie «wir entscheiden das nur
mit den Grönländer:innen zusammen» oder «das entscheiden nur die Grönländer:innen» waren
früher selten zu hören.
The Case, 2027. Birgitta Kammann Danielsen und ihr Mann Laasi Danielsen. Foto: IFS
Model for Neodoms, wir sind Grönländer:innen und keine Däninnen oder Amerikaner:innen
Sie leben seit 18 Jahren in Grönland. Hat sich Ihre Rolle im Dorf verändert?
Am Anfang wollte ich möglichst viel von der Kultur lernen. Das brachte mich manchmal in
schwierige Situationen, weil es kulturelle Aspekte gibt, die nicht zu mir passen.
Mittlerweile habe ich eine Haltung entwickelt, dass meine Stärken – wie das Organisieren –
auch geschätzt werden. Aber ich habe auch viel gelernt: Ich bin ruhiger geworden und kann
mehr von einem Tag auf den anderen leben. Die grösste Stärke der Grönländer:innen ist es,
mit Mangel zu leben und kreative Lösungen zu finden. «Wir machen es auf Grönländisch», sagen
die Menschen immer. Das finde ich grossartig.
Model for Neodoms, 2026. Image: IFS
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